7. Integrationstag Sachsen-Anhalt 2004

Der 7. Integrationstag in Sachsen-Anhalt fand am 13.11.2004 in Wolfen statt. Gestaltet wurde er vom Arbeitskreis "Dialoge zwischen Regel- und Sonderpädagogik" an der Martin-Luther-Universität Halle und dem
Grundschulverband Sachsen-Anhalt e.V.

 

Auszüge aus dem Reader

 

Brit Dornis & Kati Struckmeyer: "Bernsteine, Chamäleons und noch viel mehr - die Freie Ganztagsschule Neinstedt stellt sich vor"

"Wir sind die neue 4. Klasse. (...) 6 Kinder kommen aus der Bernsteingruppe, 9 Kinder aus der Feldermausgruppe, 3 Kinder sind aus der Kängurugruppe und ein Kind ist aus der Koalagruppe. Wir haben uns einen neuen Namen gegeben und das kam so: 10 Kinder waren für Chamäleon und 7 Kinder waren für Seehunde und am Schluss hießen wir die Chamäleons."

Katrin Düring: "Ein Netzwerk mit Förderschulen und allgemeinen Schulen im Land Brandenburg knüpfen"

"Netzwerkarbeit ist eine partizipative Steuerungsform, welche von der Grundidee her einer inklusiven Schule nahe kommt. An der Stelle von Intervention treten Managementkonzepte, die kollektives Handeln möglich machen."

Michael Schwager: "Die Überwindung der 'Zwei-Gruppen-Theorie' als Indikator für Inklusion. Erfahrungen der Gesamtschule Köln-Holweide"

"Die Überwindung der 'Zwei-Gruppen-Theorie' stellt also einen wesentlichen Schritt in Richtung auf einen wohlverstandenen Gemeinsamen Unterricht und auf Inklusion dar, wobei aber zu berücksichtigen ist, dass diese Theorie auf verschiedenen Ebenen zum Tragen kommen kann. (...) Die Schule sucht sich ihre Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf also nicht aus, sondern sie stellt sich auf die Schüler ein, die an die Schule kommen."

Mayer Shevin: "Barney´s Harmonica & die Sprache von UNS und IHNEN"

"But the story behind it is worth telling, because of what it says about the way well meaning professionals working within a rigid system use language to perpetrate oppression."

Luise Müller: "Die gute integrative Schule"

"Und man sollte jedem die Chance geben. Die kein Gutachten haben, kriegen so viele Chancen, obwohl sie auch Schwächen haben, aber bei denen wird es ja nie entdeckt. Und die, die ein Gutachten haben, da kriegen ja nur wenige eine Chance - und das ist ungerecht."

Birgit Weiss: "Jacob wird erwachsen - Gedanken einer Integrationsklasse"

"Sein Tagesablauf wird mit einem gemeinsamen Frühstück mit der Familie, Frau und Kindern, beginnen. Dann geht er arbeiten, vielleicht zur Probe ins Opernhaus. Abends besucht er Konzerte oder geht anderen Hobbys nach. Danach bleibt Zeit für ein Gespräch mit seiner Frau. Und nicht zu vergessen, natürlich wohnt Jacob mit seiner Familie in einem eigenen Haus. (...) Niemand sieht ihn in einer Werkstatt oder anderen Sondereinrichtung."

Aelita Kulko: "Texte zum Erwerb eines Studiennachweises in Integartionspädagogik für Studierende des Lehramtes an Gymnasien an der Universtät Halle"

 

„Wenn man den gemeinsamen Unterricht gut durchdacht gestaltet, kann es nur vorteilhaft sein: (…) Es wurde schon gesagt, dass der Kontakt, das Zusammensein (…) zu wunderbaren Freundschaften führen kann, (…) sich positiv auf die Bewältigung der Probleme, die während der Pubertät im Vordergrund stehen, auswirken kann, (…) zur Anwendung von den didaktischen Methoden führt, die den Unterricht allgemein verbessern und eine Art von Bewertung ermöglichen, die (…) die Zusammenarbeit statt Konkurrenzverhalten fördert.“

Kerstin Ziemen: "Auf dem Weg zur beruflichen Integration"

 

„Die Lebenslage von Menschen mit schweren Behinderungen muss als äußerst prekär eingeschätzt werden, bleibt doch der Zugang zu gesellschaftlich anerkannten Feldern, wie bspw. das Erwerbsarbeitsfeld, vermehrt oder gänzlich versperrt. (…) Insgesamt betrachtet sollte deutlich geworden sein, dass Integration/Inclusion nur Realität werden kann, wenn der Betroffene und deren Bezugspersonen ernst genommen werden, von Seiten der Professionellen in solidarischer Absicht gehandelt und reflektiert wird. Dazu bedarf es des Dialoges / der Kommunikation und damit (mindestens) eines „freundlichen Begleiters“, der Assistent, Pädagoge oder Peer sein kann."

 

Luise Müller: "Zukunftskonferenz von Luise Müller im Mai 2004"

"Es ist schwierig zu beschreiben, welche Gefühle bei solch einem Zusammensein aufkommen. Es ist ein sehr schönes und erhebendes Gefühl, wenn man erlebt, wie sich so viele Menschen Gedanken um einen machen und einem Mut geben."

Susanne Reintzsch & Maria Reintzsch: "Zukunftsplanung?? Zukunftsplanung!!"

"Der ganz Stress hat sich auf jeden Fall gelohnt. Denn noch nie vorher wurden mir so viele Talente und Stärken bescheinigt. Denn mit anderen Menschen als mit meinen Eltern durfte ich noch nie träumen. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich meine Träume in Wirklichkeit umwandeln. (...) Alle waren zunöchst genauso überwältigt wie wir, davon zu hören, dass es etwas gibt, was das von Ämtern und Institutionen fremdbestimmte und deswegen manchmal kaum erträgliche Alltagsleben deutlich erleichtert: Ein großes Stück Alltag selbst bestimmen können."